RAINER SCHNURRE: „Künstlerische Biografie-Arbeit” im „RAUM für SOZIALKUNST”

„Sozialkunst-Gestaltung“

Rainer Schnurre

Sozialkunst-Gestaltung
Soziale Meditationen
Wegbereiter werdender Gemeinschaft
ISBN: 978-3-89979-247-8, Verlag Ch.Möllmann

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Aus der Kunst – durch die Kunst – mitten im Sozialen und die brennende «Soziale Frage» Zwischen Uns, groß geschrieben.

Wer mutig, mit Anteil nehmendem Ernst, in das soziale Leben der Gegenwart schaut und dieses mit der Vergangenheit in Beziehung setzt, wird anerkennen müssen, dass ihm die «Soziale Frage», als eine überaus bedeutende, aber ungelöste Frage, entgegentritt.

«Sozialkunst-Gestaltung» stellt sich unbefangen, mit möglichst großem Frageernst, den sozialen Fragen und bricht, wenn und wo es notwendig erscheint, auch ein gesellschaftliches oder auch ein unausgesprochenes Tabu, indem sie dieses zur Sprache bringt.

«Sozialkunst-Gestaltung» ist eine auf das praktische Leben zielende Herangehensweise, die zu künstlerischer Selbsterziehung anregt, um nach und nach eine viel feinere, ausgeglichenere soziale Wahrnehmungs-Sensibilität zu erringen, um einer geläuterten «Mit-Schmerz-Fähigkeit» willen.

In der «Sozialkunst-Gestaltung» gehen wir von Phänomenen aus, das heißt nicht von Theorien. Ein Phänomen spricht sich selbst aus. Indem nun der Mensch sein wacheres Bewusstsein mit einem unvoreingenommenem Interesse auf das Soziale richtet und dieses mit einem ausgesprochenen Wohlwollen tut, wird es ihm möglich, seine Aufmerksamkeit auf die 'Erscheinung', auf das soziale Phänomen zu lenken und sich von diesem belehren zu lassen. So eröffnet man sich selbst eine weitere Möglichkeit zu einem tieferen Verstehen der sozialen Zusammenhänge. Ohne jenes tiefere Verstehen müsste Vieles in üblicher, meist unverstandener oder jammernder Kritik stecken bleiben.

Der heutige Mensch ist oft nur noch darauf bedacht, was ihm nützt und wie er sich dabei fühlt. So weiß er aber nur etwas sehr Begrenztes über sich und nichts über die Welt, vor allem auch nichts von seinem Nächsten, dem Anderen, der er aber, auf den anderen Menschen bezogen, doch zugleich auch selbst ist.

Die zentrale Forschungsrichtung in der «Sozialkunst-Gestaltung» lautet:

Was geschieht im «Zwischen-uns»? - Sie fragt außerdem nach dem Wie?

Und: Warum kommt es - zwischen uns - nicht (bis) zur Sprache?

«Sozialkunst-Gestaltung» entzündet sich immer wieder aufs Neue in und am lebendigen Leben. Sie will durchgetragen werden, durch jede Niederlage, durch jeden Misserfolg und durch jede Art der Ablehnung hindurch. Wenn diese Erlebnisse auch von Schmerzen seelischer Art begleitet sind, so können sie wiederum bewusst angeschaut und zu aufbauenden Kräften umgewandelt werden.

Durch die bewusste Überwindung von Niederlagen, Misserfolgen und Ablehnungen – hindurch – entwickeln sich notwendig neue schöpferische Kräfte. - Denn: Jede Niederlage die überwunden wird, ist auch ein Sieg. Jedes überwundene Defizit ist zugleich ein Gewinn. Jedes Scheitern birgt auch ein Gelingen in sich. Selbst Ablehnung setzt Anerkennung voraus. Misserfolge bilden die Grundlage zum Erfolg. Schmerz ruft Bewusstsein hervor, wer wollte also auf dieses verzichten?

«SOZIALKUNST – GESTALTUNG»

Zu der Umschreibung: «Sozialkunst-Gestaltung» habe ich mich nach etwa 20jähriger Beschäfti¬gung damit, entschieden. Das war im Jahre 1987. - Damit ist angedeutet, dass es sich nicht nur um eine leere Worthülse handelt.

Das Wort, als Wort-Bild, will auch schon etwas aussagen. Sozialkunst ist zusammengeschrieben, weil beide eine Einheit bilden. Damit ist hingedeutet auf Wesentliches, auf die Möglichkeit eines schon künstlerischen Umgangs im Sozialen von Anfang an und auf das Wie im unscheinbarsten alltäglichen «Zwischen-Uns» – diesem rätselhaften, oft unbemerkten, meist unerkannten Dritten.

Zwischen Sozialkunst und Gestaltung ist eine Lücke, die einen Abgrund andeutet. Es ist damit auf den Abgrund im «Zwischen-Uns» gewiesen. Ist dieser Abgrund zu überwinden? - Ja, künstlerisch. Die ausgeübte Kunst führt, als Brücke (der Bindestrich), zu freierer Gestaltung des so kostbaren, eigentlich wunderbaren Lebens, des Raumes im alltäglichen «Zwischen-Uns». Dieser unsichtbare Raum zwischen uns und die Verhaltensweisen von uns, die sich in ihm zum Ausdruck bringen, müssen nicht nur erlitten, sondern können sogar unbefangen phänomenologisch erkannt und klar und deutlich beschrieben werden.

Mit der «Sozialkunst-Gestaltung» spricht der Mensch zum anderen Menschen nicht über das Soziale, sondern aus dem «Mitten-im-Sozialen-Stehend» heraus. «Sozialkunst-Gestaltung» ist keine Methode. Im Sozialen dürfte es keine Methoden geben. Gibt es sie aber trotzdem und es gibt sie, so bewirken diese Methoden gerade nicht Gesundendes, sondern Zerstörerisches. Im Sozialen stellen Methoden ein Abtötendes im lebendigen sozialen Organismus, in der Seelen- und Geistessphäre desselben dar. So macht man Kunst zu «Kunststoff». Die Vermittlung der «Sozialkunst-Gestaltung» kann nicht losgelöst vom Vermittelnden geschehen. Er befindet sich immer schon selbst in dem, worüber er aufklären will, wenn er das Soziale mit anderen gewissenhaft zur Sprache bringt. - Wer nur über das Soziale spricht, weiß nicht was er tut und vor allem weiß er nicht was er dadurch bewirkt. - Das stellt ein tiefes und bisher ungelöstes Problem im gesamten Wissenschaftsbetrieb, wie auch in der politischen Parteienlandschaft und im Wirtschaftsleben dar. - Auch dieses Problem will erkannt und überwunden werden, da es, solange es unbewusst bleibt, tiefe, tiefe Wunden in den sozialen Organismus schlägt, von dem man oftmals nicht einmal weiß, dass es ihn überhaupt gibt.

Themenschwerpunkte: (kleine Auswahl)

Wie gestaltet sich die Selbst-Erziehung im Sozialen? / Von Urphänomenen im Sozialen / Von der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit / Team - Gruppe - Gemeinschaft / Kollegium und die Chef-Frage / Gemeinschaftsunfähigkeit und ihre Überwindung / Individualität und Gemeinschaft / Individualität, Staat und Gesellschaft / Individualität - Volk - Menschheit / Globalisierung braucht Individualisierung / Rudolf Steiner und die notwendige «Dreigliederung des sozialen Organismus» / Organismus - Psychismus - Pneumatismus / Das «Soziologische Grundgesetz» und das «Soziale Hauptgesetz» / Die UN-Menschenrechte und ihre notwendigen Korrekturen / Von der längst überfälligen Überwindung alles Nationalen / Toleranz und ihre Masken / Vom notwendigen Zusammenklang: West - Mitte - Ost / Zeitgemäße Prophylaxe-Arbeit: Abhängigkeit, Sucht, Ursucht und ihre Überwindung / Die Gewalt-Frage und die Macht-Frage im «Zwischen-Uns» / Die Selbst-Erziehung als sozialkünstlerischen Weg im menschlichen Miteinander – anstatt im Gegeneinander / Die freie Tat wird Notwendigkeit / Von der Notwendigkeit geläuterter Gefühle + Willensimpulse / Unbefangenes Selbst-Denken / Von «werdender Gemeinschaft» und der Kunst ihre Gegenbilder zu erkennen / und vieles mehr ...

In welchen Lebensbereichen kann «Sozialkunst-Gestaltung» eingesetzt werden?

«Sozialkunst-Gestaltung» ist beruflich, als auch privat anwendbar. Das heißt, sie bezieht sich insbesondere auf die beiden großen Lebensfelder der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens.

«Sozialkunst-Gestaltung» kann überall dort hilfreich angewendet werden, wo immer Menschen sich begegnen, im Berufsleben, in der Familie, im Verein; kurz: in jeder «menschlichen Begegnung».

«Sozialkunst-Gestaltung» entwickelt nach und nach ein feineres soziales Bewusstsein, sensibilisiert für die oft recht unbewusst vollzogene «menschliche Begegnung». Wer würdigt wahrhaftig und mit vollem wachem Bewusstsein den Augenblick der menschlichen Begegnung? Wer will erwachen in die soziale Brisanz heutiger menschlicher Begegnungen? - Wer erwacht dazu, dass die menschliche Begegnung immer zugleich die Eröffnung der sozialen Frage mit sich bringt? - Wer erfasst, dass dieses «Zwischen-Uns» einen übersinnlichen, das heißt unsichtbaren, aber doch wahrnehmbaren Raum umfasst, der bewusst gestaltet, ja sogar künstlerisch gestaltet werden könnte … könnte ...

Wo kann «Sozialkunst-Gestaltung» nützlich sein?

«Sozialkunst-Gestaltung» kann förderlich eingesetzt werden an allen Orten und in allen Bereichen, wo ein sozialer Organismus soziale Wandlungen durchzumachen hat, um gesund zu werden oder um gesund zu bleiben. Heutzutage sind die meisten sozialen Organismen längst schwer erkrankt, oft weitgehend unbemerkt, die seit langem schon einer sozialkünstlerischen Therapie bedürftig wären.

Die Zukunftsperspektive der «Sozialkunst-Gestaltung»

So wie es uns heute ganz selbstverständlich erscheint, dass es Schulärzte in Schulen und in Fabriken Werksärzte gibt, brauchen wir längst für die Bereiche der Zusammenarbeit und des sozialen Umgangs im Miteinander, für das Zusammenleben, die Zusammenarbeit eine «Sozialkunstärztin», einen «Sozialkunstarzt», als SozialkünstlerIn. «SozialkunstärztInnen» werden KünstlerInnen, werden HeilkünstlerInnen im Sozialen werden ... Aber nicht etwa der schönen Worte nach, sondern entsprechend ihrer ehrlich und mühevoll selbst entwickelten sozialkünstlerischen Fähigkeiten.

Wo werden ausgebildete Sozialkünstlerinnen + Sozialkünstler zukünftig wirken?

Ausgebildete SozialkünstlerInnen sollten in der Lage sein können gesundende Impulse für einen konkret erkrankten sozialen Organismus zu entwickeln. - Diese speziell ausgebildeten Menschen fühlen sich voll verantwortlich für das Wohlergehen eines gesamten sozialen Organismus, den sie zu betreuen haben. Sie sind souveräne AnsprechpartnerInnen für alle in einem sozialen Organismus arbeitenden und lebenden Menschen. Sie bringen, auf Grundlage einer sich selber erarbeiteten «Sozialkunst-Gestaltung», kreativ gestaltend wieder in Fluss, was gehemmt ist oder in ungesunder Unruhe verharren will. Sie bringen bewusst zur schöpferischen Ruhe – was aufgeregt zerstörerisch in den sozialen Prozessen rumort. - Sie verwirklichen das «frei ausgesprochene Wort»; sie üben sich in ausgesprochener Wahrhaftigkeit. Sie haben keinerlei Weisungsbefugnis, dürfen sich aber in allen Bereichen des sozialen Organismus ungehindert umsehen und zu gegebener Zeit, sich frei zu Wort melden. - Sie beraten nur, weiter nichts; das aber gründlich und ohne jedes Denk- und Redeverbot.

Es wird Zeit, dass wir uns Zeit nehmen, den Ernst der Lage zu erfassen.

Es wird Zeit, dass wir die erkrankten sozialen Zusammenhänge, das erkrankte «Zwischen-Uns» tatsächlich ernst zu nehmen in der Lage sind. Wir sollten auch keine Zeit und kein Geld mehr verschwenden für blendende Hochglanzbroschüren mit markigen Sprüchen über das Soziale und die 'Philosophie' unseres Unternehmens. Dadurch wird kein einziger sozialer Organismus gesunden. Immer sind es konkrete Fähigkeiten von konkreten Menschen, die zur Gesundung beitragen, aber auch unsere Unfähigkeiten, die unweigerlich zu dessen Erkrankung führen.

Im Sozialen geht es in erster Linie gerade nicht darum, wie man sich darzustellen weiß, was heute zu Unrecht oft gefordert wird, zumindest sollte es nicht dort gefordert werden, wo Wahrhaftigkeit noch geschätzt und gefördert wird. Wir brauchen wirklich neue soziale Fähigkeiten und diese zu erringen braucht Zeit, kostbarste Zeit. Fähigkeiten können wir weder herbeireden, noch erkaufen. Freiwillige Selbst-Erziehung steht an, anstatt des leeren Geschwätzes sinnloser Profitmaximierung.

Es geht im sozialen Miteinander heutzutage vielmehr darum, was ich nicht kann und was ich kann und was der andere Mensch kann und was er nicht kann, um sich von dort aus auf den interessanten gemeinsamen Weg zu begeben, der zu wirklicher Wandlung im Mitmenschlichen führen kann.

«Sozialkunst-Gestaltung» wird sich zu einer zeitgemäßen Herangehensweise in der menschlichen Begegnung entwickeln, um zu immer wieder neuen Wegen dynamischer Gesundung der sozialen Verhältnisse beizutragen, durch aktiven Friedenswillen, durch tatsächlich geübtes Wohlwollen, durch wirklichkeitsgemäße Einsicht in soziale Prozesse und durch künstlerische Selbstschulung und sozialkünstlerische Selbsterziehung. Es geht um konkrete Aufklärung in soziale Zusammenhänge. Solche erweiterten Einsichten sind für jeden mündigen Menschen heutzutage sozial Not wendend. Weiteres wird sich daraus entwickeln lassen. Es wird nur in eine gesundende Richtung gedeutet.

Zum Schluss ein Wort zum Geld

Man mag Geld einsparen wollen, wo und so viel man nur will. - Die zusätzliche Einstellung eines in «Sozialkunst-Gestaltung» Geschulten – mit einem vorzüglichen Einkommen ausgestattet und einer vollen Stelle, jedoch nicht weisungsgebunden und nicht weisungsberechtigt, sondern ausschließlich beratend, würde schon heute eine der weitsichtigsten Einsparungen in jeder entsprechend großen Firma, in jeder Schule und an jeder Universität darstellen; vor allem auch in aller Lehrerausbildung.

Diese in «Sozialkunst-Gestaltung»geschulten Menschen brächten für jede Firma, für jeden Konzern und jede Schule sowie jede Universität ein schier unbezahlbares soziales Kapital mit. Denn dieses «Kapital» sind ihre selbst errungenen sozialen Fähigkeiten, die mit der Zeit und mit viel Geduld nach und nach und immer wieder aufs Neue, einen überaus notwendigen «sozialen Klimawandel» hervorrufen würden. Der ohne ein solch erweitertes Bewusstsein in die sozialen Zusammenhänge nicht mehr zustande kommen kann. - «Man» wird es noch nicht so leicht glauben wollen, aber es ist keine Glaubensfrage, sondern eine ausgesprochene Geistes-Wissenschafts-Forschungs-Frage:

Die brennende soziale Frage ist eine übersinnliche Frage.

Die «menschliche Begegnung» will mit vollem Wachbewusstsein phänomenologisch erforscht werden. Wird sie das, so wird sich bewahrheiten, was hier behauptet wird. Die brennende soziale Frage ist eine übersinnliche Frage. Wäre sie nämlich eine rein sinnliche Frage, so wäre sie längst geklärt und gelöst. - Sie ist aber nicht gelöst, sondern «wir» ahnen es, sie drängt auf Gesundung, sie ruft, ja schreit nach Heilung. - Wenn wir die soziale Frage immer noch nicht in wirklich neuer Art angehen wollen, so werden soziale Kataklysmen, soziale Erdbeben und soziale Stürme über die Erde hinwegfegen, deren Ungeheuerlichkeit sich viele heute noch nicht vorzustellen vermögen.

Wir brauchen ein völlig neues Bewusstsein für die konkreten Möglichkeit einer sozialkünstlerischen Gestaltung der sozialen Frage. Längst schon steht ein wahrhaftiger, ein grundlegender sozialer Klimawandel an, insbesondere auf gesellschaftlichem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem und politischem Felde. -

Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens einige Verantwortliche, die aber auch die Möglichkeit haben selbständig zu entscheiden, dies durchschauen werden und sich bewusst für einen globalen sozialen gesellschaftlichen Klimawandel entscheiden. Einzelne beginnen, alles weitere wird sich zeigen. - Aber beginnen müssten wir schon selbst …